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Segeln am Limit - Kongelig Classic 2013 Drucken

geschrieben von Matthias Schufft

In Erinnerung an diese historische „Flensburger Regatta“, fand 2012 zum ersten Mal die „Kongelig Classic 1855“ statt Die Kongelig ist eine Regatta mit deutschen und dänischen Teilnehmern, die zwischen Aabenraa und Flensburg jährlich stattfindet. An den Start gehen Traditionsschiffe und Klassische Yachten. Ziel der Regatta ist auch das Miteinander zwischen Deutschen und Dänen in der Grenzregion zu verbessern.

Die Vorbereitungen für die Regatta waren für unseren Verein wieder einmal eine logistische Leistung. Schon am vorherigen Wochenende wurde unser Jugendwanderkutter Rugard nach Aabenraa verlegt. Mit Hilfe von Nils Edwin von der Solvang konnten wir die Rugard in dem Fischereihafen sicher unterbringen ohne Unsummen für Liegegebühren auszugeben. Die Regatta wurde gut geplant, Frikadellen wurden gebraten und reichliche Brote geschmiert. Unser Segelteam bestand aus Nils, Finn, Jannik, Janni, Wolle, dem Bordhund Alice und mir. Wir sind schon öfters miteinander gesegelt und konnten uns aufeinander verlassen. Am Freitag um 08.00h trafen wir uns in Aaberaa und meldeten die Rugard im Regattabüro auf der Küstenmotorschiff Gesine an. Eine kostenlose Verpflegung der Teilnehmer gehört zum Service der Regatta dazu. Also nochmals lecker Frühstücken und danach die Rugard auf riggen. Um 10.00h verließen wir den Hafen Richtung Startlinie. Der Wind blies mäßig aus westlichen Richtungen. Vor der Startlinie segelten schon die meisten der fast 100 gemeldeten Schiffe. Diese Situation erfordert immer sehr viel Konzentration der Mannschaft beim Segeln. Die einzige kritische Situation, ein Lotsenkutter auf Steuerbordbug wich uns trotz Aufforderung nicht aus, wurde von mir mit einem Manöver des letztens Augenblickes, gelöst. Nach einem etwas unklaren Startschuss segelten wir mit als erstes über die Startlinie und lagen vor dem Regatta Feld. Mit vollen Segeln erreichten wir 6 Knoten Geschwindigkeit und segelten dem Ziel im Augustenborg Fjord entgegen. In unserer Bootsklasse waren sieben Schiffe gemeldet. Die Litfjorden , eine Snekke Jolle und die Minna Roeder aus Flensburg waren mit ausgezeichneten Skippern und Mannschaften unterwegs und konnten unseren Sieg gefährden. An der Ziellinie hat die Litfjorden es geschafft uns einzuholen und ist mit zwei Bootslängen Vorsprung durch das Ziel gefahren. Wir haben uns trotzdem über den zweiten Platz gefreut und segelten in einer schönen Nachmittags Stimmung nach Sonderborg.

Dort erwartete uns ein buntes Kulturprogramm und wir wurden persönlich von dem Leiter des Knivsberges Heiko Frost begrüßt. Ein erstklassiges Chili con Carne und ein leckeres Bier auf dem Dampfschiff Alexandra beendete den ersten Tag der Regatta.

Nach einer sehr lauten Nacht wurde um 09.00h wieder zum Skipper Meeting gerufen. Startlinie, Kurse und über das Wetter wurde berichtet. Die Wetterprognose, leichter Regen und Wind der Stärke 5 aus West. Jedem Segler war klar, dass wird kein Spaziergang, sondern hartes Segeln am Wind. Aber ein Blick auf das Wasser zeigte, das wir es eher mit einer Flaute zu tun hatten. Also wieder alle Segel auf geriggt und raus zur Startlinie. Beim Ablegen in Sonderborg habe ich noch den aktuellen Wetterbericht über Funk gehört und siehe da, es wurden Böen Warnungen der Stärke 7 herausgegeben. Schon auf dem Weg zur Startlinie riss uns eine Schot, die wir aber schnell ersetzen konnten. Diesmal beherrschte ein Schiff aus Bremerhaven die Ausweichregeln nicht und wie am vorherigen Tag mussten wir wieder das Manöver im letzten Augenblick anwenden. Um 11.00h Startzeit überquerten wir die Startlinie. Die Startschüsse blieben aus. Wir vermuteten, dass dem Regatta Team die Munition ausgegangen war, da sie am Tag zuvor scheinbar willenlos herumknallten. Über Funk kam die Erklärung, der Start wurde verschoben. Zwanzig Minuten später kam es zum Showdown. Nach dem ordnungsgemäßen Startschuss vielen der Haikutter Bodil und wir mit der Rugard ab und wollten über die Startlinie schießen. Ein anderer Kutter in Lee schnitt uns aber den Weg ab. Wir waren zwar Ausweichpflichtig konnten durch die Enge an der Startlinie aber kein Ausweichmanöver mehr segeln. Wir lösten sofort alle Schoten und versuchten die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, da wir ansonsten zwischen zwei großen Schiffen zermalmt werden würden. Eine Kollision der beiden Kutter konnte nur knapp vermieden werden und ich wünschte dem Skipper des unbekannten Kutters, der so leichtsinnig Menschen gefährdete, die Pest an den Hals. In unserem Team war jede Müdigkeit verflogen und wir harten in dickes Ölzeug den Dingen, die uns nun erwarteten. Nach 30 Minuten verdunkelte sich der Himmel und wir konnten die Böenwalze, die auf uns zu rollte, sehen. Zum Reffen war es zu spät und wir segelten auch eine Regatta. Die Litfjorden war uns schon wieder voraus und wir wollten und für den Vortag revanchieren. Dann traf uns die erste Böe mit voller Wucht und wir fierten die Segel. Wir segelten mit 6 Knoten hart am Wind und zerschnitten die Welle. Zu dem strömenden Regen kam nun noch literweise Spritzwasser über den Bug. Segeln am Limit. Die Klüver (Vorsegel) von drei Schiffen zerrissen im Wind. Die Manöver mussten sitzen und wurden von dem Team gemeistert. Der Bordhund blieb cool und so segelten wir unter Vollzeug dem Sieg entgegen, wäre da nicht die Litfjorden, die immer noch die Nase vorne hatte. Die letzte Wende vor der Ziellinie war das letzte Manöver der Regatta und wurde von mir eigentlich zu früh ausgeführt. Wir liefen Gefahr die Ziellinie nicht zu erreichen. Die Litfjorden wendete später und wurde schneller, aber es hat nicht mehr gereicht und wir überquerten mit viel Glück als erstes das Ziel. Glücklich und extrem müde segelten wir in unseren Heimathafen nach Flensburg und freuten uns auf die Preisverleihung. Unser Verein bekam zwei Pokale in Form von zwei schönen geschwungenen Trinkhörnern. Einen als Etappensieger und als Sieger der der ganzen Regatta in unserer Klasse. Bewundernswert erschien mir der dritte Platz der wirklich kleinen Alborg Jolle aus Kalvö mit dem Namen Calloe in Dänemark mit dem über 70 Jahren alten Skipper Johannes, der alle Entbehrungen eines offenen Bootes in Kauf genommen hat und mit seiner Crew sein Schiff sicher und souverän nach Flensburg steuerte. Hut ab, dieser Mann ist in seiner Klasse ein Vorbild.